CUXHAVENER NACHRICHTEN • CN-ONLINE.DE • 2012

September 7, 2012

 

 

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CUXHAVEN. Wie interpretieren junge Fotografen den Begriff Freiheit? Eine neue Ausstellung im Schloss Ritzebüttel gibt eine Antwort.

Ihr eigenes Kulturprogramm im Schloss lässt sich die Stadt einiges kosten. Am Sonntag (2. September) wurde die zweite eigens für Cuxhaven kuratierte Ausstellung „Junge Fotografie im Schloss“ eröffnet – diesmal unter dem Titel „Freiheit“.

Zu sehen sind die Arbeiten von vier jungen Fotografen; die Auswahl wurde von Kuratorin Erle Bessert M.A. mithilfe einer Ausschreibung zusammengestellt. Der zeitliche Rahmen war diesmal so eng gesetzt, dass die Teilnehmer nicht eigens für das Thema fotografieren konnten, sondern auf ihr vorhandenes Portfolio zurück greifen mussten.

Bei ihrer Einführung in die Ausstellung griff Bessert auf einen berühmten Bewohner von Schloss Ritzebüttel zurück, der den „Genius Loci“ nachhaltig geprägt hat: Barthold Heinrich Brockes (1704-1760). Als dieser von Hamburg aus nach Ritzebüttel entsandt wurde, um hier als Amtmann zu wirken, empfand er es (im Unterschied zu anderen Amtmännern, die ebenfalls dem Stadtleben entrissen wurden) nicht als „Verbannung“, sondern als Segen. Hier könne er sich „von aller Hindernis befreit fühlen“, wie Brockes sein persönliches Gefühl von Freiheit formulierte.

Was bedeutet mir Freiheit

Ihren ganz persönlichen Freiheitsbegriff formulieren auch die Jugendlichen des Jahrgangs 1989, die von Sandy Worm und Alina Simmelbauer im Rahmen einer Seminararbeit porträtiert wurden. Die großformatigen Porträts unterschieden sich nur dadurch, dass die Personen bei Simmelbauer bekleidet, bei Worm bis über die Schulter hinaus nackt sind. Ihre Wirkung erzielen sie nicht allein durch die Bilder, sondern erst im Zusammenspiel mit den allerdings recht kleinen Texten, die jeweils Aussagen der Porträtierten zur Freiheit, insbesondere zur fehlenden Freiheit in der früheren DDR (woher sie bis auf wenige Ausnahmen stammen). Über einige dieser Aussagen kann man durchaus ins Grübeln kommen ...

Die zweite Abteilung besteht aus Arbeiten von Jörg Brüggemann . Er war in den vergangenen Jahren mehrfach in Asien und Lateinamerika unterwegs, um der vermeintlich grenzenlosen Freiheit der so genannten „backpacker“, also der Rucksack-Touristen nachzuspüren. Entstanden ist eine Bilderfolge unter dem Titel „Same Same But Different“, von der leider nur einige wenige Motive gezeigt werden können – man hätte ihm durchaus mehr Raum zulasten der Porträtserien einräumen dürfen.

Grenzen der Freiheit

Denn Brüggemann beweist einen scharfen Blick für die Tatsache, dass die backpacker zwar alle einen je eigenen Begriff von Freiheit im Kopf mit sich führen, die Realität ihrer Reiseziele mit wirklicher „Freiheit“ allerdings wenig zu tun hat. Und von einer „freiheitlichen“ Alternativen zu der vermeintlichen Unfreiheit des Massentourismus, als die der Rucksacktourismus einst gesehen bzw. von ihm selbst definiert wurde, ist ohnehin wenig übrig geblieben. Auch das wird in Brüggemanns Bildern unaufdringlich, aber nachhaltig deutlich.

Fotografische Metaebene

Vierte im Bunde ist Constanze Kratzsch , deren Beitrag die aus meiner Sicht interessantesten Idee zugrunde liegt. Für ihre Serie „BETON-SPIEGEL“ besuchte sie 2009 eine Ausstellung, die sich 20 Jahre danach mit der Wende von 1989 befasste. Dabei fotografierte sie Besucher dieser Ausstellung, die damals am Checkpoint Charly gezeigt wurde, und setzte die damaligen Betrachter für den heutigen Betrachter in Beziehung zu den seinerzeit betrachteten Fotos.

Insgesamt zeigt die von der Stiftung Niedersachsen geförderte Ausstellung, die bis 28. Oktober zu sehen ist, vier interessante, aber fotografisch keineswegs spektakuläre Serien. Sie regen gleichwohl dazu an, sich mit dem dahinter liegenden „Freiheitsbegriff“ auseinanderzusetzen.

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© Constanze Kratzsch